Martin-Luther-Kirche Erbendorf

Baugeschichte der Martin-Luther-Kirche

Am 26. August 1923, konnte die evangelische Kirchengemeinde Erbendorf den ersten Gottesdienst in der neuerbauten Martin-Luther-Kirche feiern. Für die Gläubigen war dies ein großer Tag, denn die Pfarrgemeinde hatte ihr erstes eigenes Gotteshaus.
Mit der Einführung des Simultaneums 1663 in Erbendorf, daß die gemeinsame Nutzung der heutige katholische Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt durch die beiden Konfessionen vorsah, wuchs in den folgenden Jahrhunderten der Wunsch der Protestanten, eine eigene Kirche zu errichten.
Ansätze in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts scheiterten aber an den finanziellen Möglichkeiten. Ebenso schien zu dieser Zeit eine Auflösung des Simultaneums unmöglich.

Mit dem katholischen Pfarrer Franz Xaver Fleischmann kam wieder Bewegung in die Sache. Dank seiner Bemühungen hob das bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus am 20. Mai 1918 das Simultaneum auf. Die Verhandlungen über die Besitzaufteilung zogen sich aber noch zwei Jahre hin, bis am 12. Juli 1920 der notarielle Vertrag geschlossen werden konnte.

Ergebnis: Die Katholiken erhielten die Stadtpfarrkirche, die evangelische Gemeinde die St. Veits-Kirche. Zudem wurde vereinbart, daß die katholische Pfarrei die Hälfte der Kosten sowohl für einen Bauplatz zum Bau einer Kirche wie auch ein Drittel der Baukosten übernimmt.
Die Kirchengemeinde zögerte nicht lange. Sie kaufte an der Bräugasse ein Grundstück, auf dem vormals das Malzhaus der Stadt stand.
Für die Planung beauftragte sie den Architekten Carl Brendel aus Nürnberg, der bereits im Juli 1921 die ersten Pläne für ein evangelisches Gotteshaus vorlegte. Er versuchte bei der Gestaltung eine zeitgemäße Lösung zu finden.

Am 4. Dezember 1921 erfolgte die Grundsteinlegung für das 28x15 Meter große Kirchenschiff mit einem rund 30 Meter hohen Turm. Sorgen bereitete der Kirche als Bauherr die Kostenentwicklung aufgrund der in Fahrt gekommenen Inflation. Schlechte Witterungsverhältnisse im Jahr 1922 ließen die Fertigstellung verzögern.
Nach rund eineinhalb Jahren wurde die, trutzig wie eine Burg wirkende Kirche fertiggestellt. Sie erhielt den Namen Martin-Luther-Kirche. Für die Außenfassade wurde Schweißenreuther Sandstein verwendet. Die Steinmetz- und Maurerarbeiten führte Baumeister Heinrich Bauer (heutiges Baugeschäft Wilhelm Bauer) aus. Die Zimmerarbeiten erfolgten durch Zimmerermeister Sölch aus Windischeschenbach. Die vier Glocken mit insgesamt 105 Zentner wurden 1922 in der Glockengießerei Schilling&Lattermann in Apolda gegossen. Für die damalige Zeit waren es moderne Klangstahlglocken!

 

Das Innere der Kirche

Die Inneneinrichtung der Martin-Luther-Kirche stammt noch aus ihrer Erbauungszeit, soweit sie nicht bei Renovierungsarbeiten ersetzt oder verändert wurden. Mittelpunkt des schlicht gehaltenen Gotteshauses ist der Altar im nischenförmigen Chorraum. Erstellt bzw. modelliert wurde er vom Nürnberger Professor Kickler aus Stuckmarmor. Ursprünglich bestand der Altar nur aus dem inneren Rundbogen mit der dargestellten Kreuzigungsgruppe und dem Altartisch. Der äußere, freistehende Rundbogen wurde erst in späterer Zeit errichtet. Er trägt die Überschrift "Er ist wahrhaftig auferstanden".

Beim Bau der Kirche lag der 1. Weltkrieg gerade mal gut vier Jahre zurück. Der Kirchengemeinde war es ein Anliegen, ihren gefallenen und vermissten Gemeindemitgliedern zu gedenken. So entstand die Idee, an der Westseite des Kirchenschiffes beim Ausgang zum Treppenhaus zu beiden Seiten Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen und Vermissten zu errichten. 15 Gemeindemitglieder stehen dort geschrieben. Die Namensliste schließt ein Spruch aus dem Johannes-Evangelium (15, 13): „Niemand hat größere Liebe, denn das er sein Leben lässet für seine Freunde“. Westlich des Chorraums liegt die Taufkapelle mit einem, ebenfalls aus Stuckmarmor gefertigten Taufbecken. Die Sitzbänke, die Emporenbrüstung und die Kanzel fertigte die Schreinerei Johann Wirner aus Erbendorf. Während die Sitzbänke heute noch im Originalzustand vorhanden sind, wurden bei den Renovierungen 1949 und 1954 alle anderen Holzteile, unter anderem das Orgelgehäuse und die Kanzel in Weiß und Gold gehalten.

Ein "Blickfang" sind die drei Glasmalereien in den Fenstern der Ostseite. Zwei davon wurden 1923/24 von der Gutsherrschaft von Lindenfels auf Altenstadt gestiftet und zeigen die Motive "Karfreitag" mit der Kreuzigungsszene und "Ostern" mit der Auferstehung Jesu. Das dritte Glasfenster wurde 1932 geschaffen und stellt "Weihnachten" mit der Geburt Christi dar. Alle drei kunstvollen Glasfenster erfuhren 1993 eine Restauration.
Beim Bau der Kirche wurde im Außenbereich an der Bräugasse eine Mauer mit einem Treppenaufgang von zwei Seiten errichtet. Es war geplant, auf den vier grossen Pfeilern des Aufgangs die Statuen der 4 Evangelisten zu errichten. Dies scheiterte jedoch an den finanziellen Mitteln. Die Mauer wurde 1965 beseitigt, um Parkplätze und einen Gehweg vor der Kirche zu errichten. 1957 wurde das westlich der Kirche gelegene Evangelische Pfarrhaus fertiggestellt. Das heutige Gemeindehaus wurde 1996 errichtet.